FS.ART / Bodensee

CURATOR'S CHOICE IV

EVA HOCKE / BIRTE HORN / GERHARD LANGENFELD
Ausstellungseröffnung Donnerstag, den 11. Juni 2026 / 19:00 Uhr

13. Juni - 25. Juli 2026

Karlstraße 16, 88069 Tettnang
Donnerstags 14:00 - 19:00 Uhr
Samstags 11:00 - 14:00 Uhr
oder nach Vereinbarung unter kontakt@fs-art.de
An Feiertagen geschlossen

Mit CURATOR’S CHOICE IV setzt FS.ART die Ausstellungsreihe fort, bei der die Auswahl der gezeigten Werke dem persönlichen Blick des Kurators folgt. Nachdem sich FS.ART seit einigen Jahren als Ort versteht, der internationale Gegenwartskunst in die Bodenseeregion bringt, richtet sich der Blick der aktuellen Ausstellung nun bewusst auf künstlerische Positionen aus dem näheren Umfeld. Nicht als Abkehr vom bisherigen Programm, sondern als Erweiterung: Die Ausstellung zeigt, dass künstlerische Qualität, formale Eigenständigkeit und zeitgenössische Relevanz nicht an die großen kulturellen Zentren gebunden sind.

Die drei Positionen verbindet ein konzentrierter Umgang mit Farbe, Material, Oberfläche und Raum. Alle drei arbeiten im erweiterten Feld ungegenständlicher, konkreter Kunst, ohne sich auf deren historische Formeln zu beschränken. Stattdessen entwickeln sie jeweils eigene Strategien, um Malerei zu befragen, zu öffnen und über ihre klassischen Grenzen hinauszuführen.

Eva Hocke (geb. 1966 in Kassel) lebt und arbeitet in Bad Saulgau.
Sie bewegt sich im Kontext der konkreten Kunst, deren Geschichte historisch betrachtet überwiegend männlich geprägt war. Ihre Arbeiten setzen dieser Tradition eine ebenso präzise wie eigensinnige Haltung entgegen. Hocke spannt farbige Nylonstrumpfhosen über geformte, teils monochrome, teils farbige Bildträger und verbindet damit malerische Fragen nach Farbe, Fläche und Form mit einem Material, das aus einem ganz anderen, körperlich weiblichen und alltagsnah konnotierten Zusammenhang stammt. Daraus entsteht jedoch weder ein ironischer noch ein explizit feministischer Kommentar, sondern eine eigenständige und überraschend zeitgenössische Form von Malerei. Virtuos verbindet Hocke Farbe, Material und Form zu Arbeiten, die sich zwischen Bild, Objekt und Raum bewegen. Neben ihren charakteristischen Strumpfhosenarbeiten zeigt die Ausstellung auch neue Bildobjekte, in denen die Künstlerin die klassische rechteckige Bildform konsequent auflöst und Malerei räumlich weiterdenkt.

Birte Horn (geb. 1972 in Düsseldorf) lebt und arbeitet in Blaubeuren.
Auch Birte Horn ist im weiteren Kontext der konkreten, ungegenständlichen Kunst zu verorten.
Neben ihrer Serie von kleinformatigen Papercuts zeigt sie auch objekthafte Arbeiten, in denen sie Malerei auf unterschiedliche Weise in die dritte Dimension überführt. Die Papercuts entstehen aus Verpackungsmaterialien, die ihr Vater - selbst Architekt - über viele Jahre gesammelt hat. Durch Schneiden, Schichten und serielle Neuordnung transformiert die Künstlerin diese Materialien in präzise komponierte Bildräume von großer Leichtigkeit und räumlicher Tiefe. Aber auch ihre Leinwände zerschneidet sie partiell und fügt sie im Anschluss wieder neu zusammen. Daneben entwickelt sie Arbeiten mit shaped canvases und geformten Bildkörpern, die den klassischen rechteckigen Bildträger bewusst verlassen. Malerei erscheint hier nicht mehr als etwas, das lediglich auf einer Fläche stattfindet, sondern als räumliche Setzung zwischen Bild, Relief und Objekt. Ganz neu entstanden und in der Ausstellung in Tettnang zum ersten Mal zu sehen, ist eine großformatige Arbeit mit beschnittenen, frei übereinander hängenden farbigen Siebdrucken. Gerade in dieser Verbindung von malerischer Präzision, Materialexperiment und räumlicher Offenheit entwickelt Birte Horn eine eigenständige und zugleich bemerkenswert zeitgenössische Position innerhalb der ungegenständlichen Kunst.

Gerhard Langenfeld (geb. 1955 in Saulgau) lebt und arbeitet in Bad Saulgau.
Gerhard Langenfeld ist vor allem durch seine schwarzen Bilder bekannt geworden. Gerade in der selbstgewählten Einschränkung auf Schwarz gelingt es ihm, malerische Möglichkeiten immer wieder neu auszuloten. Schwarz erscheint bei ihm jedoch nicht als Abschluss oder Verneinung, sondern als offenes Feld, in dem Oberfläche, Licht, Struktur und Tiefe sichtbar werden. Und Schwarz ist auch nicht gleich schwarz. Gibt es doch unzählige Nuancen dieser Farbe, respektive Nichtfarbe. Charakteristisch für seine Malerei ist die räumliche Schichtung, der schrittweise Farbauftrag, in dem seine Bilder im Prozess des Malens Zug um Zug entstehen. Farbebenen, Überlagerungen und unterschiedlich reagierende Oberflächen erzeugen Bildräume, die sich je nach Lichtsituation und Blickwinkel permanent verändern. In der Ausstellung bei FS.ART zeigt der Künstler Arbeiten aus der Serie der Schwarzproben sowie neue Werke, in denen Langenfeld den Umgang mit Schwarz durch intensive Farben erweitert. Dadurch entsteht ein spannungsvoller Dialog zwischen Reduktion und Öffnung, Konzentration und malerischer Ausweitung.