In der aktuellen Ausstellung des FS.ART Showrooms begegnen raumgreifende Skulpturen von Wolfgang Flad den kleinformatigen Acrylbildern und Zeichnungen Agnieszka Pastuszkas. Beide künstlerische Positionen zeugen von der zeitgenössischen Auseinandersetzung mit theoretischen und persönlichen Fragen über formale Ansätze der Abstraktion. Die Bilder und Zeichnungen formen im präsentierten Gefüge den äußeren, rahmenden Fries der drei im Raum freistehenden Skulpturen, die speziell für die Ausstellung geschaffen wurden. 

Die Arbeiten der Künstlerin Agnieszka Pastuszka (*1983, lebt und arbeitet in Düsseldorf) folgen einer sparsamen und diszipliniert angelegten Konzeption, zu der sie in einem lang andauernden, konzentrierten Arbeitsprozess gelangt. 

Ihre formalen Kompositionen lassen sich auf kein Naturvorbild zurückführen, sondern entstehen durch eine intensive theoretische Beschäftigung mit formalen und technischen Bild-Komponenten. Die Bilder und Zeichnungen zeigen filigrane und fein gezogene, oft geometrische Formen, Linien und Flächen, deren einzelne Setzungen detailliert und bewusst im Vorhinein getroffen werden. Es findet kein intuitives Herantasten an die Komposition oder Aufschichten von Farbe, keine spontane Gestik oder freie Improvisation statt.

Verfolgt die Künstlerin technisch einen zielgenauen und strengen Ansatz, so ist kompositorisch ein klassisch angelegter Ausgangspunkt zu erkennen. Durch den Verzicht auf ein deutbares Bildmotiv sowie dem Einsatz von abstrakten bildnerischen Mitteln behandelt sie schwer konkretisierbare Erscheinungen von seelischen Zuständen, wie etwa der Balance zwischen äußeren und inneren Geschehnissen. Ein jedes der Werke zeugt von einer eigenen auratischen Kraft und steht trotz des einheitlichen Formats (24 x 30 cm) und wiederkehrender Muster und Formen jeweils für sich. Auf diese Weise gelangt Agnieszka Pastuszka zu äußerst konzentrierten und klaren Werken, die zwischen einer soghaften Schwere und spielerischer Leichtigkeit changieren. 

Gegenteilig in theoretischem Ansatz und auch technischer Herangehensweise thematisiert Wolfgang Flad (*1974, lebt und arbeitet in Berlin) den Prozess von Wachstum und Veränderung und arbeitet mit den beiden gegensätzlichen Polen der Dynamik und Statik. Seine Skulpturen gehen zwar von einem Entwurf aus, erwachsen sodann allerdings intuitiv in einem additiven und subtrahierenden Arbeitsvorgang. Hierdurch unterliegen sie bis zum letztendlichen Ergebnis stetig einer reifenden Entwicklung. Aus miteinander verbundenen schlanken Holzlatten formt Flad seine räumlichen Figuren, deren Übergänge er mit Pappmaché verdickt. Dieser Grundkörper wird geschliffen und farbig gefasst, wobei die Farbe anschließend partiell wieder herunter gefeilt und erneut übermalt wird. Dies scheint von impulsiver Kraft geleitet zu sein. Da hierdurch das Holz wieder zum Vorschein kommt, erhält sich der Eindruck einer rohen Stofflichkeit. Die Materialität des aus geschredderten, kunsttheoretischen Texten bestehenden Pappmachés tritt zudem in den Hintergrund. Allerdings bleiben Hinweise auf das recycelte Material bewusst erhalten. 

In einen Dialog mit den feingliedrigen Körpern treten die sockelartigen, farbig lackierten Kuben, die den zweiten und untrennbaren Teil der freistehenden Skulpturen bilden. Teils kompakt statisch, teils dynamisch gelängt, gelingt es ihnen die verschlungenen Raumzeichnung zu erden oder ihnen zu weiterer Leichtigkeit zu verhelfen. So könnte man in einem Fall meinen, eine weichfließende Figur auf dem Podest lasziv räkelnd zu erkennen, in dem anderen etwas Kauerndes zu erahnen. Der körperhafte, gestische Eindruck wird jedoch augenblicklich gebrochen, sobald man sich den Skulpturen nähert und sie umschreitet. Durch Brüche, Hohlräume und Perspektivenwechsel verflüchtigt sich das zuvor Assoziierte, eine „Entkörperlichung“ (Marc Wellmann) findet statt und verwandelt Energie und Bewegung in reine organische Abstraktion. 

Linda Philipp-Hacka