.... das Objekt, die Skulptur, der Raum, die Zeit.... der Betrachter und - nicht zuletzt - die Künstlerin selbst. Ulrike Flaig integriert all diese Aspekte in ihre komplexe Ausstellungskonzeption, die am Ende medienübergreifend das Thema Identifikation auf unterschiedlichste Art beleuchtet. Hierbei meint der Terminus aber nicht nur eine Ansammlung von Eigenschaften, die eine Möglichkeit der (Wieder-)Erkennung bietet. Er meint vor allem Zugehörigkeit.  
 
In vielerlei Hinsicht ist der Künstler, so Flaig, wie ein Kind. Er saugt die Realität auf und gestaltet sie in sich selbst um. Oft ist er sich nicht darüber bewusst, was in seinem Werk wirklich essentiell ist. Am Ende aber findet er eine Form, die zweifellos seine ist. Er identifiziert sich durch seine Arbeit und wird gleichzeitig wiederum über seine Arbeit identifiziert. Für Flaig ist Kunst demzufolge nicht nur das Resultat ihrer Auseinandersetzung mit den entsprechenden Bedingungen der Materie selbst, sondern auch ein Spiel mit dem Betrachter und dessen Spiegelbild, was sowohl wörtlich als auch metaphorisch zu verstehen ist. Fragen nach Materialität und Nichtmaterialität drängen sich auf. Einerseits sehen wir ein Objekt im klassischen Sinn. Andererseits entsteht in den gebogenen, semi-transluzenten Spiegeloberflächen auch ein meist verzerrtes Abbild des Betrachters und seiner Umgebung. Je nach Standort erscheint der Besucher dick oder dünn, groß oder klein. Im Extremfall verschwindet er sogar ganz oder sein Abbild reduziert sich auf einen winzigen kleinen Punkt. Die Spiegelung erscheint wie eine Rückkoppelung, eine Rhythmisierung und Dynamisierung der Umgebung. Sie beschreibt das Verhältnis des Betrachters zu sich selbst, dem Objekt und dem Raum. Überhaupt ist die optische und akustische Rückkoppelung ein wichtiger wiederkehrender Aspekt auch in den Videoarbeiten der Künstlerin. Er versetzt die entsprechenden Arbeiten in Bezug auf spezifische Wahrnehmungsprozesse in eine Art Endlosschleife. „A rose is a rose is a rose“*.... und so weiter und so fort.   
 
Ulrike Flaig nutzt für Ihre Arbeit unterschiedlichste Medien. Neben den glatten Oberflächen in Fotos, Leuchtkästen, Boden- und Wandobjekten mit semitransparenten Spiegelfolien nebst eingebauten Monitoren oder Kameras, finden sich auch kleine, sehr persönliche Zeichnungen und Objekte sowie private Versatzstücke. Für die raumgreifende Installation, die sie speziell für die 
Ausstellung bei FS.ART entwickelt hat, erweitert Flaig ihr Repertoire um eine weitere Dimension:  In dem sie unter anderem den in der Wohnung befindlichen Home-Trainer in ihr Setup einbaut, integriert sie ein weiteres identitätsstiftendes Moment eines Dritten. Ein Sofa, ein Tisch, ein Handtuch und ein Paar Socken reflektieren die spezielle Situation, dass die Räume von FS.ART gleichzeitig Ausstellungs-, Arbeits- und Wohnraum sind.

Formal bezieht sich Flaig bei dieser Ausstellung auf Vertreter der amerikanischen Minimal Art der frühen sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Inhaltlich entzieht sie sich allerdings dem gemeinsamen Streben von Künstlern wie Donald Judd, Dan Flavin oder Robert Morris nach Objektivität, schematischer Klarheit und Logik. Eher im Gegenteil setzt sie dem Wunsch nach der Autonomie des Kunstwerks gezielt eine Interaktion mit dem Umfeld entgegen. Ebenso ironisiert sie das Anliegen der Minimal Artisten, eine Entpersönlichung des Kunstwerks zu erreichen, subtil durch Ihr Spiel mit verschiedenen Identitäten. Den Einsatz industriell gefertigter Materialien kombiniert sie mit Persönlichem und Privatem. Dadurch stößt sie einen vielschichtigen und letztlich nicht explizit begrifflich fassbaren Austausch zwischen den Kunstwerken selbst, dem Betrachter und der Künstlerin an, der letztlich immer in der entscheidenden Frage nach Identität gipfelt. So zum Beispiel auch, wenn Sie in einer ihrer Videoarbeiten verschiedenen Passanten in gebrochenem Englisch zuruft: „I`m artist“. Die Antwort fällt ebenso kurz wie präzise aus: „No problem!“ 
 
Marta Czyz / Florian Schmid              * Gertrude Stein (1874-1946)