„Fossil #1“ und „Fundstück“ sind unter anderem Titel der neuen Arbeiten von Sabine Groß, die den Betrachter schnurstracks auf eine falsche Fährte führen. Wir sehen Versteinerungen von gebrochenen, mit Leinwand bespannten Keilrahmen, die seltsam artifiziell wirken, oder ein verkohltes, dem Alterungsprozess ausgesetztes Versatzstück eines Bildes, das ein perfektes „Trompe-l’œil“ abgibt.

Groß inszeniert ihr DRAMA in mehreren Akten und der Ausstellungsraum wird zur Bühne für Bilder und Objekte, die ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht aufspannen. Zunächst ist zu erwähnen, dass nichts tatsächlich so ist, wie es scheint. Das wird spätestens bei den Materialangaben zu den entsprechenden Exponaten klar. Die gebrochene, vom Regen oder Lösungsmitteln ausgewaschene Leinwand, die beiläufig in der Ecke steht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein penibel patinierter Kunststoff-Guss. Der mit dickflüssiger Lackfarbe übergossene Stapel aus bespannten Leinwänden folgt eben diesem Prinzip und ist süffisant mit „Blaue Periode“ betitelt. Die Versteinerungen eines zerbrochenen Pissoirs in fünf Teilen lassen unmittelbar an das Vorbild „Fountain“ von Marcel Duchamp aus dem Jahr 1917 denken und geben eine Vorstellung davon, wie das Artefakt wohl in weiter Zukunft von unseren Nachfahren aus dem Fels geschlagen werden könnte. Auch hier alles aus Styropor, Epoxydharz und Acryllack.

Alle in der Ausstellung befindlichen Objekte sind also perfekte, teilweise überinszenierte Nachahmungen. Und genau an diesem Punkt beginnt das vielschichtige Spiel mit der Rezeptionsgeschichte der Kunst. Namen wie Carl Andre, Lucio Fontana und Marcel Duchamp stehen nur exemplarisch für die Vielzahl von Positionen berühmter Kollegen oder Strömungen der Kunstgeschichte, die Groß in ihren Arbeiten kommentiert und persifliert. Dabei steht die Frage nach der Bedeutung des originären Kunstwerks selbst und dessen spezifischer Rezeption im Mittelpunkt. Die Arbeiten von Sabine Groß konfrontieren uns mit scheinbar historischen Fundstücken und werfen die Frage nach der Bedeutung des ursprünglichen Objekts auf, zu einem Zeitpunkt da die Spur der Zeit bereits die eigentliche Form verändert hat. Die monochrome Malerei auf Leinwand zum Beispiel, die - von der  Witterung gezeichnet - einer früheren Zeit zu entspringen scheint, erhält in ihrer Deformation einen pathetisch heroischen Impetus. Berücksichtigt man aber die Tatsache, dass es sich bei der Arbeit um eine  Nachahmung, einen „Fake“, also eine reine Inszenierung ihrer selbst handelt, wird klar, dass Sabine Groß sich bereits auf einer Metaebene der Rezeptionsgeschichte zeitgenössischer Kunst befindet. Gerade dadurch aber stellt sie paradoxerweise die Skulptur an sich und deren klassische Kriterien von Form, Volumen und Oberfläche in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.