Können Bilder lügen?

Wollen wir einfach dem glauben, was wir auf die Schnelle sehen? Oder liegt der eigentliche Reiz darin, die Illusion zu entlarven, um die Wirklichkeit zu erkennen? Das, was wir sehen, stimmt nicht immer mit dem überein, was es ist. Paradoxerweise steht am Ende aber die Erkenntnis, dass genau dies die Realität ist.

Der Titel „Malerei 2009“ von Joachim Grommek kokettiert mit seiner vordergründig belanglosen Beliebigkeit und ist am Ende doch gerade deshalb extrem programmatisch. 

Bei Grommeks malerischer Strategie, die er im Übrigen schon seit über 25 Jahren konsequent verfolgt, geht es nicht ausschließlich um die Irritation der Wahrnehmung an sich, sondern eher um ein intelligentes Spiel zwischen Illusion und Reflektion. Der Betrachter wird an den äußersten Punkt der Sinnestäuschung geleitet, um festzustellen, dass das, was er für einen Gegenstand hält, tatsächlich nur die Darstellung desselben ist. Grommeks Arbeiten befinden sich somit in einer Art Schwebezustand zwischen Bild und Abbild. Sie treffen sowohl systemimmanente Aussagen über die Malerei an sich und ihre Rezeptionsgeschichte, als auch über den Status von Bildern ganz allgemein als sinnliches Medium der Erkenntnis. 

Vor dem Hintergrund der Malereigeschichte seit dem Altertum über die Renaissance bis zur Gegenwartskunst positioniert sich Grommek mit seiner Strategie der mimetisch-illusionistischen Nachahmung als ein Künstler, der in zeitgemäßer Ästhetik die Bedingungen der Malerei grundlegend definiert. Mit seiner Trompe-l’œi-Malerei bewegt er sich stets an der Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit. 

Nicht von ungefähr bedient er sich hierfür unter anderem der Formensprache der konkreten Malerei der sechziger Jahre. Indem er diese Malerei, die sich explizit der illusionistischen Darstellung verweigert, nicht im eigentlichen Sinne ausübt, sondern vielmehr imitiert, treibt er sein intelligentes Verwirrspiel auf die Spitze.