Compressed Time ist eine speziell für FS.Art in der Berliner Potsdamer Straße entwickelte Gruppenausstellung mit Werken von Maxime Ballesteros, Martin Boyce, Caro Jost, Wilhelm Klotzek, Caroline Kryzecki, Alicja Kwade, Bernhard Martin, Olaf Metzel, Gerold Miller und Anselm Reyle. Die Präsentation umfasst Positionen aus Malerei, Skulptur und Photographie.

Die Potsdamer Straße steht wie keine andere im Berliner Westen für den Mythos Großstadt als Ort des Wandels, der Erneuerung und des Zerfalls. Bis heute lassen sich dort wie bei einer Zeitreise die Spuren der verschiedenen Epochen und der gesellschaftspolitischen Veränderungen finden, die sie geprägt und geformt haben. 

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich Compressed Time mit Themen wie Zeit, der daran gekoppelten Erinnerung, mit gesellschaftspolitischen Ereignissen und räumlichen Redefinitionen, die sich wie in einem Palimpsest schichtenweise in die Verkehrsader abgelagert und eingeschrieben haben. Die Potsdamer Strasse steht dabei stellvertretend für die großen Straßen und Boulevards dieser Welt, ist aber nicht zuletzt auch ein Plädoyer für Berlin als Kunstmetropole.

Die künstlerischen Beiträge teilen ihre Bezüge zu dem Thema, sind facettenreich und vielschichtig, behandeln es als Analyse, Beschreibung oder Fiktion. Die Künstler zeigen Werke, in denen diese Inhalte direkt und indirekt durch metaphorisch-poetische Annäherungen oder durch subtile kontextuelle Verschiebungen untersucht werden. Der existenzielle Aspekt wird von Maxime Ballesteros, Paul Hutchinson und Bernhard Martin subtil beleuchtet. Der zeitliche Aspekt wird von Martin Boyce, Alicja Kwade, Anselm Reyle auf poetischer, philosophischer oder auch rein visueller Ebene beschrieben. Gesellschaftliche Umbrüche sind das Thema der Bilder und Installationen von Wilhelm Klotzek und Olaf Metzel. Als räumliche Redefinitionen und Neuvermessungen können die Beiträge von Caro Jost, Caroline Kryzecki und Gerold Miller gelesen werden.

Noch misst sich der außergewöhnliche Facettenreichtum der Potsdamer Straße an ihren gegensätzlichen Szenarien, an ihrer Weltoffenheit und Toleranz, die Raum für die Entfaltung unterschiedlichster Lebensformen und nicht zuletzt für die Kunst eröffnet. Ihre Wiederentdeckung hat einen Prozess ausgelöst, der ihre außergewöhnliche Vielschichtigkeit verdrängt, zugleich aber Neues entstehen lässt, das die wechselvolle Geschichte der Potsdamer Straße und damit Berlins fortschreibt. 

Dr. Friederike Nymphius, 2021